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    Lehrstuhl für klassische Archäologie

    Landschaft - Architektur - Raum

    Landschaft – Architektur – Raum

    Untersuchungen zu Form, Funktion und Bedeutung landschaftlich-architektonischer Elemente in antiken Reliefbildern (Habilitationsvorhaben)

    Zahlreiche Bildwerke der Antike – z. B. Vasenbilder, Wandmalereien, Mosaiken und Skulpturen – sind reich an Darstellungen landschaftlicher und architektonischer Elemente. Vereinzelte Felsen, Bäume, Säulen und Mauern finden sich bereits in den Giebelreliefs und Metopen archaischer Tempel sowie auf der gleichzeitigen Gefäßkeramik. In den Weihreliefs, Figurenfriesen und anderen Denkmälern der spätklassischen und hellenistischen Zeit verdichten sie sich des Öfteren zu einem Handlungsrahmen für die dargestellten Akteure. Räumliche Schilderungen ziehen nun auch verstärkt in die Großplastik ein und werden zu wesentlichen Elementen der Komposition. Doch erst in der römischen Kunst entwickeln sich komplexe landschaftlich-architektonische Arrangements in vielen Gattungen – etwa in Wandmalerei, Mosaik, Relief- und Rundplastik – zu einem zentralen Gestaltungsmittel. Der hier nur in Ansätzen skizzierte Wandel legt bereits die Frage nach den Ursachen dieses Wandels und den zu Grunde liegenden Raumkonzepten nahe.

    Obwohl sich landschaftliche und architektonische Elemente in allen Epochen der klassischen Antike nachweisen lassen und teils einer bemerkenswerten Beliebtheit erfreuen, bilden sie nur selten den eigentlichen Gegenstand der Darstellung. Vielmehr sind sie in der Regel den abgebildeten Akteuren beigeordnet. Entsprechend kommt derartigen Elementen im Rahmen kunsthistorisch-archäologischer Untersuchungen oftmals nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Ein einheitlicher methodischer Zugriff auf sie fehlt ebenso wie eine übergreifende Darstellung, die historische Entwicklungen innerhalb der verschiedenen Gattungen in ihrer longue durée einander gegenüberstellt. Daraus resultiert nicht zuletzt eine häufig mangelnde Sensibilität für Deutung und Deutbarkeit landschaftlich-architektonischer Bildelemente, die besonders im Fall der vermeintlich ‚historischen‘ Darstellungen virulent ist. Exemplarisch kann dies an dem Reliefband der Trajanssäule illustriert werden: Von der archäologischen Forschung wurde wiederholt versucht, die dort dargestellten Landschaftsangaben und Architekturen als mehr oder weniger realistische Abbilder konkreter Orte zu deuten. Schon ein genauerer Blick auf ältere Reliefdenkmäler erweist jedoch, dass eine derartige Deutung nicht nur die Ikonographie der einzelnen Bildelemente überstrapaziert, sondern auch die antiken Praktiken der Tradierung von Bildmotiven wie die untergeordnete Bedeutung realistischer Landschaftswiedergabe in den Augen der Produzenten außer Acht lässt.

    Das hier vorgestellte Projekt möchte sich den skizzierten Problemfeldern widmen. Im Rahmen des Projekts sollen an repräsentativen Beispielen die formale Entwicklung der Landschafts- und Architekturdarstellungen in der antiken Kunst ebenso wie deren bildinterne Funktionen betrachtet werden. Welche gedanklichen und handwerklichen Vorgänge liegen der Entstehung und Tradierung der landschaftlichen und architektonischen Bildelemente zu Grunde? Ging es den Produzenten zu bestimmten Zeiten um die Wiedergabe eines realen Raumes oder gehen die landschaftlich-architektonischen Elemente auf andere Überlegungen zurück – entsprachen sie vielleicht eher kompositorischen Erfordernissen, waren sie als attributive Bildelemente zum Verständnis der Figuren notwendig oder waren sie gar selbständige Bedeutungsträger? Besondere Bedeutung wird im Rahmen der Untersuchung den griechischen und römischen Reliefs zukommen, die in dichter Überlieferung vorliegen und deren Entwicklung sich von der Archaik bis in die römische Kaiserzeit ohne Unterbrechung nachvollziehen lässt. Der kursorische Abgleich mit anderen Gattungen soll erweisen, inwiefern sich die an diesen Objekten beobachteten Entwicklungen als gattungsspezifischer Sonderfall oder als allgemeines Phänomen erklären lassen. Im Rahmen der Untersuchung werden die traditionellen Methoden der bildwissenschaftlichen Analyse durch zeichen- und kommunikationstheoretische Ansätze ergänzt, die ansonsten oft missachtete Aspekte etwa der Entstehung von Bildentwürfen, der Tradierung von Bildmotiven und der Polysemie einzelner Bildelemente einbeziehen.