Lehrstuhl für Klassische Archäologie
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Begegnungen mit der Antike

Campanischer Glockenkrater, 340/30 v. Chr. - Inv.-Nr. H 4563

Textbeispiel:

Zwei Paare liegen halb aufgerichtet auf hohen Betten (Klinen). Rechts umarmt eine blonde Hetäre zärtlich den Kopf ihres Liebhabers. Links lehnt sich rücklings eine dunkelhaarige Hetäre an die Brust ihres Jünglings. Er umfaßt mit einer Hand ihre Brust und versucht mit der anderen, die Neige des Weines aus einer Schale auf einen neben der Kline stehenden hohen Ständer zu schleudern. Ein lose dort aufliegendes Blättchen war dabei so zu treffen, daß es mit klirrendem Ton auf einen darunter befindlichen Klangkörper fallen konnte. Man nannte dieses Spiel, das auch als Liebesorakel diente und zu den beliebtesten Vergnügungen bei griechischen Gelagen gehörte, Kottabos. Das Bild scheint unbeschwerten Lebensgenuß zu vermitteln. Doch zwei Granatäpfel auf dem Klangkörper des rechten Kottabosständers warnen vor einseitiger Betrachtungsweise. Zwar gehörte der Granatapfel als Fruchtbarkeitssymbol zur Liebesgöttin Aphrodite, er war aber andererseits auch mit der Unterweltsgöttin Persephone verbunden. Es ist daran zu erinnern, daß die rotfigurigen Vasen Unteritaliens mehrheitlich Grabbeigaben waren. Somit dürfte die Darstellung dieses heiteren Gelages mit dem Wunsch eines glücklichen Lebens im Jenseits verbunden gewesen sein.

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