U. Sinn (Hrsg.), Griechisches Theater in Antike und Gegenwart
Das Würzburger Ödipus-Projekt des Mainfrankentheaters und der Würzburger Universität

Kurztext  

In der Spielzeit 2005/2006 stand auf dem Spielplan das Mainfranken Theater Würzburg Heiner Müllers Ödipus Tyrann von Sophokles nach Hölderlin in der Inszenierung von Stephan Suschke.

Von Anbeginn der Planung war die Verwirklichung als Kooperation von Theater und Universität konzipiert. Studierende der Universität waren im Rahmen eines Theaterwissenschaftlichen Praktikums in die Gestaltung des Programmheftes eingebunden. Eine von Mitgliedern der Universität getragene Ringvorlesung beleuchtete das Ödipusthema aus dem Blickwinkel seiner antiken Bearbeitung und seiner neuzeitlichen Rezeption in der Literatur, der Musikgeschichte, der Psychologie und durch die Theaterwissenschaft.

Die Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg begleitete die Aufführungen mit der Sonderausstellung „Chöre, Masken und Maschinen – Theater in der Antike.“

Der Band dokumentiert in Wort und Bild die Würzburger Inszenierung und enthält die für den Druck ausgearbeiteten Manuskripte des Vortragszyklus.

Inhalt des Bandes  

Geleitwort des Intendanten

Vorwort des Herausgebers  

Die Aufführung des Mainfranken Theaters  

„Was bleibt aber stiften die Dichter“

   Alexander Jansen im Gespräch mit Stephan Suschke

Bilddokumentation der Inszenierung

   Zehn Aufnahmen von Falk von Traubenberg

   mit unterlegten Textauszügen von Heiner Müller und Sophokles

 

Der Vortragszyklus

 

Michael Erler: ›Pest‹ und Polis. König Ödipus: Über Schuld und Verantwortung

Ulrich Sinn: König Ödipus in der antiken Bildkunst

Hermann Lang: Zur psychoanalytischen Theorie des sog. Ödipuskomplexes

Ulrich Konrad: König Ödipus. Franz Lachners Münchner Bühnenmusik (1852) zur Tragödie des Sophokles

Wolfgang Riedel: Das Aorgische. Oedipus Rex, Theorie der Tragödie und »Neue Mythologie« bei Hölderlin

Günther Heeg: Wiederkehr der Tragödie – Politik des Theaters. Ödipus nach Heiner Müller

Bibliographie zu den Vorträgen

Biographien der Mitwirkenden des Theater

 
Berhard Stengele als Ödipus, Carlo Schmid als Teiresias (© Falk von Traubenberg)


Der Chor (© Falk von Traubenberg)  


Der Ödipus-Mythos im Satyrspiel. Darstellung auf einer Kalpis im Martin von Wagner Museum
(Sammlung T. Fujita) 470/60 v. Chr. (Foto: K. Öhrlein)

Festlich gekleidete Satyrn sitzen der auf einem Fels kauernden Sphinx auf kostbaren Lehnstühlen gegenüber. Das Vasenbild entstand just in der Zeit, als Aischylos sein Satyrspiel ‚Sphinx’ auf die Bühne brachte. Der Text ist verloren, doch gewährt uns das Vasenbild einen Einblick in den Inhalt des Stücks: Die Satyrn nehmen die Rolle der altersweisen Würdenträger des Volks von Theben ein. In Abwandlung der mythischen Überlieferung sind sie es, die die Sphinx examinieren. Im Mythos weichen die Bürger Thebens ängstlich vor der Herausforderung zurück, die Sphinx aus eigener Kraft zu vertreiben. Ihr Zaudern ruft Ödipus auf den Plan – und das Verhängnis nimmt seinen weiteren Verlauf. In der heiteren, dabei aber durchaus tiefsinnigen Grundstimmung eines Satyrspiels stellt Aischylos dem eine befreiende Alternative entgegen: Die Stadt hätte vor ihrem Schicksal bewahrt werden können, hätten ihre Bewohner jenen beherzten Bürgersinn aufgebracht, wie ihn die unerschrockenen Satyrn an den Tag legen.

Der Herausgeber

Ulrich Sinn ist Inhaber des Lehrstuhls für Klassische Archäologie und Leiter der Antikensammlung des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg.  

Die Autoren

 

Michael Erler: Professor für Klassische Philologie (Graezistik) an der Universität Würzburg

Alexander Jansen: Mainfranken Theater; Dramaturgie

Günther Heeg: Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig

Ulrich Konrad: Professor für Musikwissenschaft an der Universität Würzburg

Hermann Lang: emeritierter Professor für Psychotherapie und Medizinische Psychologie an der Universität Würzburg

Wolfgang Riedel: Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Würzburg

Hermann Schneider: Mainfranken Theater; Intendant

Ulrich Sinn: Professor für Klassische Archäologie und Leiter der Antikensammlung der Universität Würzburg

Stephan Suschke: Inszenierung der Aufführung

Falk von Traubenberg: Fotografische Dokumentation der Aufführung